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Donnerstag, 31. Mai 2018

31.05.2018 Ankunft auf den Azoren/Horta


Am 29.05 sind wir morgens auf Faial angekommen. 1800 sm liegen hinter uns. Wir haben genau 14 Tage  auf der südlichen Route gebraucht. Für 30 Std haben wir den Motor gebraucht, ansonsten haben uns Wind und Welle immer schön nach Osten geschoben. Die Nächte waren ruhig. So sind wir hier gut ausgeruht angekommen.
In Horta trifft sich die Segelwelt. Jeder der auf dem Weg zwischen dem amerikanischen Kontinent Europa ist, macht hier Halt. In den Gesichtern steht Erleichterung. Das ein oder ander Schiff kennt man aus den Funkrunden und hat hier dann die Gesichter und Boote zu den Namen. 
Wir sind froh, so gut über den Atlantik gekommen zu sein und auch ein wenig Stolz, diese Strecke, die uns so bevorstand gemeistert zu haben. Jens bremst die Euphorie, denn wir wollen ja noch ans Festland. Das sind noch einmal 800 sm, somit ca. 7 Tage. Erst dann kreuzen wir unser Kielwasser. Ich für meinen Teil bin da nicht so zurückhaltend. Ich fühle mich schon angekommen. 
Nach dem unkomplizierten Einklarieren, haben wir erst einmal mit Paul und Chris von der Mareé kräftig angestoßen. 
Und dann kam das Beste........ die Dusche......Für zwei € gibt es Seife und ein blütenweißes, frisches, gut duftendes Frotteehandtuch. Das Wasser ist heiß, unbegrenzt, ein Traum. Erst als die Haut rot und die Körpertemperatur deutlich angestiegen ist, kann ich mich dazu entschließen abzudrehen. Der Erfolg war erstaunlich. Ich hätte nicht gedacht, dass ich ein Großteil meiner Urlaubsbräune an dem bislang schönen weißen Frotteetuch wieder finde. 😫
Ich erblicke richtige Miele Waschmaschinen. Also tatsächlich solche, die endlich mal wieder heiß waschen können. Die letzten zwei Jahre gab es immer nur Kaltwäsche. Wenn das genauso gut klappt wie bei uns, erstrahlen wir in neuem Glanz. 
Jens kümmert sich derweil um das Ruderlager, welches nicht mehr rund läuft. Bestellt eine neue Segellatte, inspiziert das Vorstag, und sorgt dafür dass Lili bald wieder startklar ist. 

Abend’s gehen wir richtig gut essen, genießen jeden Bissen, jeden Schluck Wein und wundern uns wie günstig das Leben hier ist.



Montag, 28. Mai 2018

28.05.2018 Traumhaft

Einfach unglaublich. Seit drei Tagen haben wir absolut stabile Wetterverhältnisse. Der Wind bläst konstant mit 12Kn aus Süd bis Südwest. Die Welle ist mit einem Meter nicht nennenswert. Wir können im Durchschnitt 6,5 Kn laufen, was einem täglichen Etmal von durchschnittlich 150 sm entspricht. Nachts machen wir es uns gemütlich, schlafen gut und ausreichend. Die Sonne weckt uns in aller Frühe und begleitet uns tagsüber, Nachts schaut der Mond voll und hell vom Himmel. Das Erstaunlichste ist aber, dass wir es geschafft haben, jedem Tief davonzulaufen und fast jeder Flaute auszuweichen. In einem schmalen Windfenster zirkeln wir auf der südlichen Route zu den Azoren. Vielen Dank schon mal an dieser Stelle an Claus, der uns mit dem aktuellen Wetter täglich berät. Selbst das verrauschte Funken über die Amatuerfunkfrequenzen haben wir lieb gewonnen. Ist es doch der einzige Kontakt zur Außenwelt, der uns etwas Abwechslung bringt. Dadurch bekommt der Tagesablauf einen Rhythmus. Abends, nachdem Chris Parker im Amerikanischen Trans-Atlantic-Cruisernet auf 12350,0 KHz um 21:30 UTC noch mal die Wetterlage erläutert, ist Zeit für das Bett.
Jetzt haben wir noch 80sm bis Horta. Am 29.05 gegen Mittag werden wir ankommen. Dann ist dieser längste Reiseabschnitt, vor der wir so viel Respekt hatten, traumhaft zu Ende gegangen.

Freitag, 25. Mai 2018

25.05.2018 Lili rennt

Endlich,….. Wind aus der richtigen Richtung, mit passender Stärke und dazu noch anhaltend. 7 Kn aus Südsüdwest. Lili läuft mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 7 Kn. dem Ziel entgegen. Noch 550 sm bis Horta. Die Hochrechnungen laufen auf Hochtouren. Wir sind den 11. Tag unterwegs. Bisher hatten wir, abgesehen von 2 Tagen eine Bilderbuchreise. Genauso wie wir es uns gewünscht hatten. Das zurechtgelegte Polarflies, die Skiunterwäsche und die dicken Stiefel liegen unberührt im Schrank. Keine Squalls, kein nennenswerter Regen. Dafür sitzen wir mit T-Shirt und kurzer Hose im Cockpit. Die Sonnencreme wird gebraucht, Delphine sorgen für Abwechslung und Jens vertreibt sich mit allerlei Funkrunden die Zeit. Irgendwie geht der Tag rum. Nach der letzten Funkrunde um 19:30 wird die Nachtruhe eingeläutet. Die Nächte sind ruhig, wenig Verkehr, keine Störung über UKW. Wir können gut und ausreichend schlafen. Wären wir nur einen Tag später gefahren, würde die Welt wettertechnisch ganz anders aussehen. Wir hoffen, dass das Wetter so bleibt, wie die Wettervorhersage verspricht und wir in 4 Tagen Horta erreichen

Donnerstag, 24. Mai 2018

24.05.2018 Kreuzfahrt

Uns geht es gut. Soweit das Wichtigste. Uns ginge es noch besser, wäre das Ende abzusehen. Wir bewegen uns zwischen dem 35. und 37. Breitengrad. Dabei haben wir zwei Optionen. Entweder fahren wir nördlich, dann kommen wir in ein Tiefdruckgebiet mit viel Wind und viel, viel Regen, oder wir fahren südlich, dann haben wir kaum Wind, dafür aber Sonnenschein. Was wir nicht können, ist direkt, vor dem Wind, auf das Ziel zufahren. Der Wind kommt aus Südwest bis West. Wir wollen nach Nordost. Mit anderen Worten der Wind kommt immer von hinten. Das ist nicht Lili`s Stärke. Tagsüber bemühen wir uns mit ausgebäumten Vorsegel oder den bunten Segeln in die richtige Richtung zu kommen. Das müssen wir größtenteils von Hand steuern. Bei dem wenigen Wind ist die Welle zu kabbelig und die Segel schlagen zum Herzzerreissen. Unser elektronischer Autopilot ist mal wieder kaputt. Mit diesen Raymarine-Teilen haben wir kein Glück. Vielleicht sind die auch besser in der Bootsausstellung als auf See. Nachts gönnen wir uns Ruhe, fahren die Segel auf einer Seite und verlieren dafür 30-40 Grad am Kurs zum Ziel. Morgens schauen wir dann auf die gefahrene Distanz und rechnen täglich, dass wir eigentlich pro Tag nur 120 Meilen auf das Ziel zufahren. Irgendwie wird es nicht weniger. Wie gesagt, kreuzen vor dem Wind, bedeutet dass wir tatsächlich zusätzliche Strecke segeln. Dazu kommt, dass die Windsteueranlage ca. 15% unserer Geschwindigkeit nimmt. Das ist einmal dem zweiten Ruderblatt geschuldet, dass wir permanent im Wasser hinter uns herziehen und zweitens meandert Lili recht heftig, wenn die Windfahne steuert. Also eine für uns unser Schiff sehr langsame aber auch wenig stressige Fahrt.
Wir reden es uns schön, sind zufrieden dass wir noch vor dem Sturmtief ablaufen können und genießen tagsüber die Sonne. Lesen oder schlafen. Ab jetzt noch 700sm bis Horta/Azoren.

Dienstag, 22. Mai 2018

22.05.2018 8ter Tag auf See

Wir hatten zwei sehr schöne, sonnige Segeltage. Mit raumen Wind konnten wir zwar nicht genau auf die Azoren zuhalten, aber wir hatten ein ruhiges Schiff und konnten es an Bord gut haben. Es wird richtig gekocht und wir sind ausgeschlafen. Heute morgen ist es allerdings grau und die Wolken hängen tief. Die Vorboten eines herannahenden Tiefs. Wir segeln deshalb weiter südlich als der direkte Kurs zu den Azoren. In 2 Tagen ist das Tief durchgezogen und wir werden in der Flaute dümpeln. Heute Mittag werden wir die Hälfte der Strecke hinter uns haben, Bergfest! Dann sind es noch 920 Seemeilen bis Horta. Obwohl wir eigentlich relativ flott unterwegs sind, wird das, wegen der Umwege, keine schnelle Reise. Für ca. 400 Meilen haben wir noch Diesel an Bord.

Montag, 21. Mai 2018

21.05.2018 6ter Tag auf See

Wir liefen unter Motor in die Nacht. Mitternacht hatten wir dann schlagartig kräftigen Wind von vorn und chaotische Wellen.
Dabei einen komplett bedeckten Himmel mit zeitweise leichtem Regen. Nach wenigen Minuten verlangte Britta nach ihrem Eimer und war bis zum nächsten Mittag mit sich selbst sehr beschäftigt. So einen Tag braucht wirklich niemand.
Das Schiff wird unglaublich hart durchgeschüttelt und alles was nicht wirklich niet und nagelfest ist fliegt durch die Gegend oder über Bord. Ein schöner Kugelfender und eine unserer Segellatten gehören dazu.
Jetzt sieht das Meer wieder aus, als könne es gar nicht gemein sein. Wir laufen zwar ca. 30 Grad südlicher als wir wollen, aber es geht unter segeln voran. Noch 1170 Meilen bis Horta. Wir werden vermutlich noch 9-10 Tage unterwegs sein. Es bleibt zäh.

Samstag, 19. Mai 2018

19.05.2018 5ter Tag auf See; Es bleibt zäh, aber spannend.

Wir üben uns in Geduld, hecheln dem Wind hinterher. Gefunden haben wir ihn immer noch nicht. 40. Breitengrad, da soll er nach den Gribfiles sein. Also haben wir die letzten Tage dazu genutzt, um weiter nach Norden zu kommen. Gestern dann die Nachricht von Claus, lieber nicht so hoch, euch kommt der Wind sonst entgegen. Wir versuchen mit allem was wir haben den Wind zu fangen. Die ersten beiden Tage geht das mit Genacker und Windsteuer wunderbar. Dann kommt der Wind weiter von hinten. Jetzt muss der Spinnacker raus. Mit 5Kn Wind tut der sich schwer und will sehr sorgsam von Hand gesteuert werden. Das erfordert unsere ganze Konzentration. Stündlich wechseln wir uns ab. Gerne würden wir den Autopiloten bitten, aber der versagt uns mal wieder den Dienst. Ohne Windfahnensteuerung wär nichts für uns. Für die Nacht muss eine andere Lösung her. Das Vorsegel wird ausgebäumt und das Großssegel kommt auf die andere Seite. So haben wir die größte Windangriffsfläche. Mit 4 Kn Fahrt und im Seegang schlagenden Segeln geht es in die Nacht. Der Wind dreht weiter. Genua auf die andere Seite. Mal sehen ob das besser geht. Wir kreuzen vor dem Wind. Dadurch wird die Gesamtstrecke um etwa 30% länger. Schöne Aussichten, wenn noch 1400sm auf der Uhr stehen. Jens berechnet, gefühlt stündlich, unsere Ankunftzeit auf den Azoren, nun allerdings nicht mehr in Stunden, sondern in Tagen. Während die Segel schlagen, das Rigg klappert und wir darüber nachdenken, welchen Belastungen die Segel ausgesetzt sind, quittiert das Vorsegel seinen Dienst. Es fällt einfach nach unten, bis ins Wasser. Wir brauchen einen Moment um zu verstehen, was passiert ist. Fest steht, das Segel muss erstmal wieder an Deck. Das Fockfall ist nun ganz oben im Mast und Vorsegel an Deck.
Jens muss in den Mast und das bevor der herannahende Regen und vielleicht noch mehr Wind und Wellen kommen. Zum Glück ist die Welle moderat. Also rein in den Bootsmannsstuhl und darauf vertrauen, dass ich an der richtigen Leine zum richtigen Zeitpunkt ziehe. In 17 m Höhe wird aus der Schaukelbewegung des Schiffes eine Achterbahnfahrt, bei der Jens am Spifall hängt und sich gut festhalten muss.
Was war passiert? Der schöne Wichard-Schnapp-Schäkel, der das Fall mit dem Segel verbindet, hatte sich einfach mal geöffnet. Es hat alles gut geklappt. Jens ist heil wieder unten angekommen, das Segel ist wieder da wo es hin gehört und wir warten weiter auf den Wind. Und jetzt werden alle Schnappschäkel an wichtigen Leinen abgeschnitten.

Freitag, 18. Mai 2018

18.05.2018 Vierter Tag auf See

Das Ganze wird zäh. Kein Wind mehr und das Azorenhoch sieht ziemlich stabil aus.
Mit unseren Treibstoffvorräten können wir maximal 100 Stunden motoren. Das entspricht knapp einem Drittel der Strecke.
Da wir gerade mal 350 Seemeilen von 1700 geschafft haben, können wir nicht einfach beliebig den Motor einsetzen.
Seit heute morgen um 2 Uhr motoren wir wieder in Richtung 30 Grad, um in den nördlicheren Gewässern Wind zu suchen.
Bisher haben wir 16 Stunden motort und werden jetzt nochmal 14 spendieren. Dann sehen wir weiter.....

Donnerstag, 17. Mai 2018

Seit 2 Tagen auf See

Es geht langsam voran. Bisher mussten wir 11 Stunden motoren. Das Azorenhoch bringt uns schönes Wetter aber schwachen Wind.
Wir segeln leider nicht so weit nördlich, wie wir eigentlich müssten, um aus den Schwachwindzonen heraus zu kommen. Dafür zieht der Genacker uns mit ca. 5-6 kn in die richtige Richtung.Heute ist 10 Meter neben uns eine riesiger Wal aus dem Wasser gesprungen, hat sich dann kurz auf die Seite gedreht und ist verschwunden. Das war ein Schreck. Noch liegen ca. 1550 Seemeilen vor uns.

Montag, 14. Mai 2018

14.05.2018 Bermuda farewell















So langsam füllt sich die Ankerbucht. Täglich kommen Schiffe an, die auf dem Absprung nach Europa oder Amerika sind. Alle Nationalitäten versammeln sich. Die ARC „ Atlantic Race for Cruisers „ versammelt sich hier ebenfalls um auf die Azoren zu starten. 
Die Frage oder besser Suche nach dem richtigen Wetter beschäftigt jeden. Jens hat jetzt auch eine neue Leidenschaft. Eine Wetter App zaubert Routenvorschläge, abhängig vom eigenen Schiff und davon, welche Konditionen man bereit ist zu akzeptieren. Mit Claus wird dann diskutiert wie die Strecke auszusehen hat. Diese virtuelle Route wird dann mit den Ergebnissen von Andrés Ergebnissen des WetterweltProgramms verglichen. Alle Ergebnisse zusammen sollen den bestmöglichen Startzeitpunkt errechnen. 
Immerhin rechnen wir schon zwei Wochen und sind immer noch hier. Jetzt müssen mal Ergebnisse her. Morgen soll es soweit sein. Der Wind muss erstmal gesucht werden. Er befindet sich etwa einen Tag nördlich von uns. Bis dahin muss der Motor ran  und dann soll es was werden. 
Eingekauft haben wir mal wieder. Ausgeruht sind wir und los wollen wir auch. 
Wir sind guter Dinge. Berichten werden wir per Kurzwelle, alle paar Tage direkt in den Blog. In 14 Tagen hoffen wir Horta auf den Azoren zu erreichen.

Freitag, 11. Mai 2018

11.05.2018 Urlaub auf Bermuda

Sommerurlaub auf Bermuda.

Nach all den Hin und Her der letzten Tage ist uns der Wind davongelaufen. Wetterfrosch Claus, hat viel zu tun mit uns. Als ob er uns das Wetter zaubern könnte, fragen wir täglich mehrmals bei der Wetterstation Tönning an. 
Wir sind nicht böse, dass wir noch nach hinten etwas Luft haben. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätten wir unterwegs den falschen Sprit in den Tank gefüllt. Also Glück im Unglück, das sollte so sein.
Jetzt haben wir genug Gelegenheit Bermuda ausgiebig zu erkunden. Vielleicht klappt es ja dann doch noch mit der Bermuda Shorts für Jens?😉
Die Busverbindung über die Insel ist ausgezeichnet. Kaum im Bus, riecht man das bei den Briten so beliebte Rosenparfum. Wir sind ganz begeistert von der parkähnlichen Landschaft. Der gepflegte Rasen ist nirgends länger als zwei Zentimeter, die ganze Insel gleicht einem großen Golfplatz. Also ein „Rosamunde Pilcher“ Land unter Palmen. 
Das Klima ist wunderbar. Frühsommerliche Temperaturen mit leichtem Wind. 
Und erst die Freundlichkeit der Leute. Wir steigen in den Bus ein. Eine ältere Frau steigt mit uns ein. Sofort wird für sie ein Sitzplatz frei gemacht. Das mit den Worten „ ich kann es nicht ertragen, wenn ich sitze und sie stehen müssen“. Donnerwetter, denke ich bei mir und bin beeindruckt. Zwei Stationen später steigt diese Dame aus. Der Platz wird frei. Jetzt wird die nächst ältere ausgeguckt. Und das bin ich 🤭 . Entsetzt lehne ich ab. Keine Chance, ich muss mich setzen. Eine dezente Röte steigt mir ins Gesicht. Jens kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. Ich schaue mich im Bus um und fange an mir ernsthaft Gedanken zu machen. Ich buche das halbherzig als Freundlichkeit der Inselbewohner ab.
Wir steigen um in den nächsten Bus. Kaum eingestiegen, wird wieder ein Platz für mich frei gemacht. Oh nein, das ist zu viel Freundlichkeit für mich. 
Für die nächste Tour buchen wir uns ein Moped.


Montag, 7. Mai 2018

06.05.2018 Wir bleiben noch auf Bermuda


Weil der aktuelle Wetterbericht ab nächste Woche Gegenwind für uns auf der Strecke zu den Azoren vorhersagt, bleiben wir noch etwas hier. Sightseeing und Badeurlaub bis sich eine bessere Gelegenheit findet. Endlich Urlaub!

Sonntag, 6. Mai 2018

05.05.2018 Auf Bermuda


Der rote Dieselkanister

Eigentlich wollte ich heute über Bermuda schreiben. „Bermuda, ein großer Golfplatz“ sollte der Blog heißen. Ich wollte schreiben wie es kam, dass wir zwei Bier für 32$ trinken und warum Jens sich strikt weigert eine originale Bermudashorts zu kaufen. Das muss warten, denn es gibt Wichtigeres zu berichten.
Gestern war es so weit. Lili ist startklar. Technisch und optisch in Höchstform, der Kühlschrank ist voll, Wasser getankt.
Bei strahlendem Sonnenschein in guter Stimmung wollen wir von Hamilton der Hauptstadt, nach St. George, um dort auszuklarieren. Noch in der Hafenausfahrt quittiert der Motor seinen Dienst. Er nimmt kein Gas mehr an, wir verlieren Fahrt und schließlich geht er aus. Jens startet nochmal, nichts mehr. Seine ersten Gedanken....Kraftstoffhahn, OK, Dieselpest, kann eigentlich nicht sein, haben alles Blitz sauber.....aber....
Gestern hatten wir 60 Liter Diesel aus den neuen roten 23 Ltr.. Kanistern in den Tank umgefüllt. Der erste Blick zum Motor zeigt, dass der Filter samt Diesel glasklar ist 🤭
Zum Glück ist etwas Wind, so dass wir aus der von Fähren stark befahrenen Hafeneinfahrt wieder zurück zum Ankerplatz segeln können. 
Was ist die Ursache, was ist passiert? Gestern, bei dem Einfüllen des Diesels, haben wir Beide uns gewundert, warum er so klar war. Aber nur gedacht und nichts gesagt. Wir machen die Schnüffelprobe am Kanister. Es riecht nach Benzin. Jens füllt eine kleine Menge in ein Schnapsglas, zündet es an, und es brennt. Wir haben ein Diesel-Benzinbenzingemisch von 2:3 im Tank. 
In Marsh Harbour hatten wir zuletzt getankt. Wir hatten die großen, roten Kanister dem Tankwart gegeben und gesagt, dass wir Diesel wollen. In der Zwischenzeit waren wir mit dem Füllen der Wasserkanister beschäftigt. 
Entweder hatte der gute Man uns nicht verstanden, oder hat an was auch immer gedacht. Rote Kanister stehen für Benzin, gelbe für Diesel, blaue für Wasser. Er hat einfach wie vorgesehen, Benzin in die roten Kanister gefüllt und wir haben es nicht gemerkt.

Jens hat tiefe Sorgenfalten im Gesicht. Erst mal die 100 Ltr. Gemisch wieder aus dem Tank pumpen. Was für eine Schweinerei. Das ganze Schiff riecht, wir mit der Nase direkt davor. Zum Glück reichen unsere Kanister aus. Aber wohin mit so viel Altlast. Das müssen wir heute klären.
Jens wechselt alle Filter, dreht den Motor mit der Hand, so dass, jetzt Diesel, in alle Schläuche kommt, bevor der Motor gestartet wird. Was für eine Erleichterung, er springt an. Wir haben Glück gehabt.😅

Eigentlich waren wir abreisefertig, da der Wetterfrosch gutes Wetter für die Überfahrt angesagt hat. Heute fahren wir nach St. George, klarieren morgen aus und fahren mit einem Tag Verspätung los. 
Vielleicht kann ich Jens doch noch überzeugen eine original Bermudashorts zu kaufen. Auf die obligatorischen schwarzen Kniestrümpfe kann man ja verzichten. 😉








Freitag, 4. Mai 2018

04.05.2018 Bermuda Sparyard

Lili‘s Boxenstop

Jens macht sich Sorgen über das Wasser im Getriebeöl.  Wir entschließen uns, dem Übel auf den Grund zu gehen. Dafür muss Lili aus dem Wasser. Mit dem Bus fahren wir zur Sparyard Marina nach Hamilton, um uns die Gegebenheiten vor Ort anzuschauen.  Die Bussfahrt war ein Erlebnis. (Dazu später mehr) Gleich neben dem  Kreuzfahrtterminal finden wir die Werft. Auf den ersten Blick macht sie einen guten Eindruck. Der Travellift, das Werftgelände, die Boote die dort stehen alles top. Als wir dann Rhonda, die Büroleiterin kennen lernen, sind wir begeistert. Durch den vorangegangenen Mailkontakt war Rhonda sofort im Bilde. Sehr bemüht und außerordentlich hilfsbereit versucht sie uns für die nächsten Tage in ihren Plan einzuarbeiten. Wir sind so begeistert, dass uns der Blick auf den Kostenvoranschlag nicht die Laune verdirbt. Schon am nächsten Tag bekommen wir Bescheid, dass wir für den übernächsten Tag um 8:30 eingeplant sind. Pünktlich liegt Lili an der Pier. Rhonda ist noch nicht im Büro, aber der erste Mitarbeiter den ich auf dem Gelände treffe, winkt mir zu, dass es gleich los geht. Chris managet das Haulout und hebt Lili sorgfältig aus dem Wasser, bringt sie zum gegenüberliegenden Gelände und eine Stunde später, um 10:30, steht sie sicher an Land. Jens ist unter Anspannung. Die Explosionszeichnung für den Saildrive ist runter geladen, das Werkzeug liegt bereit. Gut überlegt wird eine Schraube nach der anderen gelöst. Die Antriebswelle sollte, damit die Zahnräder an ihrem Platz bleiben, möglichst im Saildrive bleiben. Trotz aller Vorsicht hat das aber nicht geklappt. Jens schaut fragend das Rollenlager an und kann nicht erkennen, wie der Dichtungsring zu wechseln ist, ohne das Lager komplett zu demontieren? Chris kommt zur Hilfe und beide verschwinden in der Werkstadt. Nach ein paar schweren Hammerschlägen erscheint Jens mit einem zufriedenen Lächeln. Jetzt müssen nur die neue Dichtungsringe und das Lager wieder rein. Dazu bräuchte man Spezialwerkzeug. Jens, jetzt wieder mit Samthandschuhen unterwegs, erledigt das mit Umsicht und dem kleinen Hammer.

Ich male unterdessen das Unterwasserschiff.
Drei Stunden später ist der Saildrive wieder montiert und die Farbe getrocknet. Rhonda organisiert, dass Lili wieder ins Wasser kommt. Chris läßt uns die Nacht an der Slipbahn verbringen und wir können noch ein wenig im Dockyard mit den Touris rumschlendern. Glücklich so weit gekommen zu sein, hoffen wir , dass das Problem „ Wasser im Getriebeöl“ von der to do Liste gestrichen werden kann. Es läuft jedenfalls alles Rund!



Dienstag, 1. Mai 2018

30.04.2018 Stress auf Bermuda

Zusammen mit Chris und Paul auf ihrer Mareé, einer Puffin 42, hatten wir Marsh Harbour verlassen. Über die Reise nach Bermuda haben wir ja sozusagen online berichtet. Nun liegen wir vor Anker auf Bermuda.
Ankern ist eine Kunst für sich, das sollten wir wieder einmal erfahren. Wir suchen Schutz vor dem herannahendem Starkwind, auf der anderen Seite der Bucht von St. George. Kein ausgewiesener Ankerplatz. Vereinzelte Moorings und ein verlassenes Motorboot. Drei Versuche und der Anker hält immer noch nicht. Ein Amerikaner beobachtet uns und bietet uns schon an, bei ihm am Heck festzumachen. Keine gute Idee bei dem angesagtem Wind. Vierter Versuch auf 10m Wassertiefe. Der Anker rutscht bis....... er plötzlich so fest einruckt, dass Lili einen Satz nach vorne macht. Oh je, wir befürchten nichts Gutes, sind aber erst einmal froh, sicher auf der windabgewandten Seite zu liegen. Abends lässt uns der Wetterbericht wissen, dass der Wind in der Nacht dreht, und wir somit auf Land treiben. Also, wir müssen wieder weg. Anker auf, bis die Ankerwisch aufjault und Lili abrupt stoppt. Anker hält. Jens versucht alle Tricks, Anker überfahren, von links und von rechts, von wo auch immer, es bewegt sich nichts. Es ist klar, der steckt irgendwo total fest. Es ist mittlerweile 18.00, es wird langsam dunkel. Ich plädiere einen Taucher für den nächsten Morgen zu bestellen. Jens allerdings ist der Meinung, ohne es selber versucht zu haben, wird kein Taucher bestellt. Immerhin haben wir einen „Free Diver“ an Bord, der für diese Fälle gekauft wurde. Ein Tauchkompressor, der mit Schlauch und Lungenautomat das Tauchen bis zu 10 m Wassertiefe ermöglichen soll. Also alles Equipment raus. Und ab ins Wasser. Eine zusätzliche Leine, die Trippleine,  am Anker soll dafür sorgen, dass wir ihn lösen können. Es regnet, es dämmert, der Anker liegt auf 10 m Wassertiefe und die Böen fallen kräftig ein. Mein Adrenalinspiegel steigt auf den Höchststand. Jens taucht ab und kommt lange nicht wieder hoch. Dann sehe ich keine Luftblasen mehr aufsteigen. irgendwas stimmt hier nicht. Jens schießt plötzlich aus dem Wasser und ringt nach Luft. Ohne Kompressorschlauch. Was war passiert. Der Luftschlauch des Kompressors ist ein Spiralschlauch. 12m lang. Beim Abtauchen auf 10 m hat sich der Schlauch gestreckt. Beim Auftauchen allerdings wieder geringelt und das mit der zusätzlichen Ankerleine, um die Ankerkette. Jens steckt fest und kommt weder vor noch zurück. Geistesgegenwärtig findet er eine Verbindung zwischen Kompressor und Mundstück, welche er lösen konnte. Und dann schnell ab nach oben. Wir haben noch gut zu tun, den Anker über die zusätzliche Leine zu lösen und später den Kompressorschlauch noch retten zu können. Das war knapp, der Anker hatte sich in ein altes Wrack gebohrt.

Gelernt haben wir, nie ohne Messer zu tauchen und in Hafengewässern ab 7m Wassertiefe von vornherein eine Trippleine zu setzen.