Dienstag, 29. November 2022

29.11.2022 Schwierige Entscheidung


Wie schon gesagt warten wir seit Wochen auf den passenden Wind. Jetzt soll er kommen. Wieder mal schauen wir stündlich nach der Wettervorhersage . Das ist langsam nervig. Immer dieses hin und her. Kommt der Wind? Wie stark, aus welcher Richtung, bleibt er mindestens drei bis vier Tage…….? Jaaa, es ist soweit. Beständiger Wind aus Nord- Ost mit durchschnittlich 20 kn. Prima. Jetzt schauen wir in die Tiefen der Wettervorhersage und stellen fest, dass die Welle mit bis zu 4 m auf der Biscaya unsere Euphorie schlagartig ausbremst. Trauen wir uns das zu oder nicht. Bei mir kommen große Zweifel. Als dann noch klar ist, dass der Wind aus NO aber die Welle aus W kommt, kapitulieren wir. Das trauen wir uns nicht zu. Wir fahren jetzt nach Hause und feiern Weihnachten mit unseren Lieben. Lili bleibt gut angebunden in Lorient.  Im nächsten Jahr  wird es auch noch Wetterfenster geben, die uns die Überfahrt einfacher machen. Wir wünschen euch Allen  eine schöne Vorweihnachtszeit und ein friedvolles Fest.

Freitag, 25. November 2022

25.11.2022 Zu früh gesprungen





Unsere Verbindung nach Hause steht. Alles ist vorbereitet. Der Kühlschrank ist leer, die Vorräte sind aufgebraucht, Wäsche ist gewaschen und die kleinen Taschen sind gepackt. Jetzt doch noch einen kurzen Blick auf den Wetterbericht. Uns trifft der Schlag. Kommt doch in einer Woche Nordostwind um die Ecke. Wir schauen noch mal, das nächste Update kommt im 6 Std Rhythmus. Wir verpassen kein Update. Wir kommen ins Grübeln. Was machen wir jetzt? Die Temperaturen sind im April noch niedriger als im Dezember. Das Wasser hat jetzt immer noch 13 Grad. Also wird die Lufttemperatur erträglich bleiben. In der Nacht verspricht uns der Wetterbericht ab Dienstag Wind aus Nord- Ost mit durchschnittlich 15 Kn. Die Welle reduziert sich angemessen. Jetzt müssen die Würfel fallen. Fahren wir nach Hause oder vertrauen wir auf die Wettervorhersage in einer Woche. Mit Herzklopfen entscheiden wir uns für die Option zu bleiben und auf den Wetterbericht zu vertrauen. Mit dieser Entscheidung fällt ein wenig Druck von uns ab. Soweit so gut. Heute Morgen, unser gebuchter Zug ist abgefahren. Der erste Blick geht zum Wetterbericht. Was ist passiert über Nacht. Jetzt ……… sind die verschiedenen Wettermodelle so unterschiedlich, dass die Windrichtung von Nord nach Süd in alle Richtungen gehen. JP hat uns angeboten einen professionelles Wetterrouting von seinem Freund erstellen lassen. Jetzt setzen wir alles auf diese Karte. Es bleibt spannend. Wir werden berichten wie es weiter geht.

Sonntag, 20. November 2022

20.11.2022 Kernevel….

 ….wir bleiben erstmal hier. Zumindest Lili bleibt hier. Wir fahren nächsten Freitag nach Hause. Die Wettervorhersage zeigt bis zum Horizont (Das sind beim Wetter ca. 8 Tage Vorausschau) keine stabile Wetterlage, die es uns ermöglicht nach Madeira zu segeln. Nun haben wir entschieden, uns das weitere Geschehen von zu Hause aus anzuschauen. Lili liegt hier in Kernevel vergleichsweise sicher. Wir haben einen Liegeplatz direkt neben Jean Pierre‘s Boot und damit ist gewährleistet, dass auch immer mal wieder nach unserem Boot geschaut wird. Das ist großes Glück. Normalerweise sind Dauer-Liegeplätze hier nicht zu bekommen. Viele in unserer Situation müssen lange nach einem gut geschützten Liegeplatz suchen. Jetzt werden alle Leinen und Ruckfender ausgebracht und alles sturmfest gemacht. Schon für morgen und übermorgen sind über 40 kn angesagt….






Freitag, 11. November 2022

11.11.2022 Business as usual

Wir leben nun schon drei Wochen an Bord. So langsam gehen uns die Baustellen aus. Lili ist weitestgehend komplett.
Wir machen Spaziergänge und Britta nutzt die neue Küche in vollen Zügen. Eigentlich alles gut, wenn da nicht der Wetterbericht unsere Reisepläne ständig nach hinten verschieben würde. Gerade gab es mal eine kleine Möglichkeit, bei zunächst noch großer Welle die Biscaya zu queren, dann aber kaum eine  Chance weiter zu kommen. Wir brauchen eine veränderte Wetterlage. Wir warten weiter. Es wird aber nicht langweilig. Gestern kann der riesige Trimaran Banque Populaire mit einem gebrochenen Schwert zurück in den Hafen. Er musste die Route du Rhum abbrechen und wird jetzt hier in seiner Homebase repariert. Hunderte Schaulustige bevölkern die Bootsstege. 
Morgen sind wir bei Franzosen zum Kaffee eingeladen. Gwenhaëlle hat für uns ein Bild gemalt, das wir morgen bei ihr abholen, um es dann in unserer Kajüte aufzuhängen. Wir sind gespannt…







Samstag, 5. November 2022

05.11.2022 Tolles Segeln…

 …aber das Wetter ist gegen uns. Auf absehbare Zeit nur Starkwind aus Süd oder Südwest. Und da wollen wir hin. Wir haben jetzt beschlossen es bis zum Nikolaustag zu versuchen. Wenn es bis dahin kein passendes Wetter für uns gibt, lassen wir Lili hier und fahren über Weihnachten von hier aus nach Hause. In der Bucht von Lorient können wir aber sehr gut segeln und haben richtig Spaß mit dem neuen Boot. Gestern kam dann zufällig noch Jean Pierre mit seinem Boot vorbei und machte schöne Fotos.🤩



Dienstag, 1. November 2022

31.10.2022 Erster Test

Wie aus einer Idee Wirklichkeit wird.
Im August 2020 liegen wir in einer spanischen Ankerbucht im Mittelmeer. Ich hatte mir den Arm gebrochen und war zum Nichtstun verdammt. Der Blick schweift den ganzen Tag durch die Gegend und bleibt plötzlich an einem interessanten Schiff hängen. Jens, ebenfalls interessiert, paddelt zu diesem unbekanntem Objekt und stellt fest, es ist eine JPK. Ein französisches Schiff, gebaut in Lorient. Diese Art von Boot ist neu. JPK ist eigentlich bekannt für den Bau von Regattaschiffen. Jetzt ist Jens Neugierde nicht mehr zu bremsen. Das Internet wird befragt und festgestellt, dass dieses Boot, eine JPK 38 fast Cruiser ist, die auch mit Schwenkkiel gebaut wird. Jetzt gibt es kein Halten. Jens ruft am nächsten Tag in der Werft an und erkundigt sich nach diesem Boot. Bis Oktober reift der Plan nach Frankreich zu fahren und dieses Schiff aus der Nähe zu betrachten. Die Werft ist klein, gebaut werden 3 Typen von Regattabooten und die 38FC. Wir schauen uns eine 38FC an, die zum Verkauf steht. Mit allem ausgestattet, sehr guter Zustand, 5 Jahre alt. Aber für Jens leider in der Naviecke zu niedrig. Da erzählt uns JP oder Jean Pierre, der Werftbesitzer, dass eine 39 FC in Planung ist. Wir schauen uns einen ersten Entwurf im Seitenriss an, schlafen eine Nacht und bestellen am nächsten Tag ein Schiff, von dem wir weder genau wissen wie es aussehen wird, noch wo wir preislich landen. Eine gewagte Entscheidung , aber Jens ist fest davon überzeugt, dass es richtig ist. JP nimmt den Auftrag regungslos zur Kenntnis. Kein Handschlag, kein Kaffee, kein Zettel mit einer Bestätigung, absolut nichts. Wir sind ziemlich irritiert ob der formlosen Bestellung. Wochen später kommt dann die Aufforderung für eine Anzahlung. Jetzt wissen wir, es hat geklappt. Voraussichtlicher Liefertermin 04. 2023 !!!! Jens beginnt schon mal gedanklich mit der technischen Ausstattung, fragt mehrmals per Mail nach Konstruktionszeichnungen und wird immer ungeduldiger, da keine Antwort auf die Mails kommt. Diese Art der Kommunikation kennen wir nicht. Wir lernen uns in Geduld zu üben. Dann kommt die gute Nachricht, Lili wird schon im Oktober 2022 fertig. Ab jetzt kann Jens mit der Werft sprechen, Ideen einbringen und Wünsche äußern. Im Juli 2022 fahren wir zur Werft und besprechen die Options Liste. Wir sind begeistert von der Qualität des Bootsbaus, der Professionaltät der Mitarbeiter und dem Fortschritt beim Bau unserer  neuen Lili. Jens fährt in den nächsten Wochen noch zweimal zur Werft. Zwei voll beladene Anhänger mit Bootssachen. Immerhin müssen meine Küchenutensilien alle mit. Mit Argusaugen wird beobachtet was ich einpacke. Nicht zu viel, wo soll das alles hin, denk an das Gewicht…….Ich denke in erster Linie daran, dass wir auf unbestimmte Zeit an Bord sein wollen und ich mich nicht nur mit einem Topf begnügen kann!!!!!! Anfang Oktober 2022 ist es dann soweit. Unser Zuhause in Wedel ist winterfest. Nochmal voll beladen fahren wir mit unserem Auto nach Lorient. Antje und Ulli kommen mit. Schließlich ist Antje Taufpatin und trägt somit eine große Verantwortung. Montag den 21.10.2022 kommt der Transporter und bringt Lili von der Werft nach „La Base“, in den Yachthafen. Uns geht das Herz auf. Was für ein schönes Schiff hängt da am Kran. In den nächsten Tagen kommt der Mast, die Segel und alles was benötigt wird, um ein Boot segelfertig zu machen. Aber……. was ist mit der Küchenausrüstung. Wo ist die Besteckschublade, die Fächer für Gläser und Geschirr. Ich stehe ratlos in dem großen Salon mit seinen vielen Staufächern und weiß nicht wohin mit meinen vielen Kisten mit Küchenequipment. Jens erkennt meine Verzweiflung und fährt mit mir von Baumarkt zu Baumarkt zu Supermarkt….. wo auch immer hin, nur dass ich, mit Zollstock bewaffnet,  auch die richtigen Kisten finde, die ich zum Stauen brauche. Nach Tagen und wiederholten Besuchen von Baumärkten und Küchengeschäften, bin ich ganz zufrieden mit der Organisation. Jetzt kann ich mich dem eigentlichen Thema, segeln, widmen. Meine Zweifel, ob ich mit den vielen bunten Leinen, die den Cockpitboden bedecken, klar komme, steigt von Stunde zu Stunde. Für was sind die alle? Ich fühle Panik in mir aufsteigen. Geschweige die Elektronik. Wie funktioniert der Plotter, das Bugstrahlruder, die Navigation. Eine große Unbekannte tut sich auf. Ich versuche erst gar nicht irgendeine Bedienungsanleitung zu lesen. Ich vertraue wie immer auf Jens, der mir dann mit einfachen Worten erklären muss wie was funktioniert. Gestern haben wir uns ein Herz gefasst, sind in den Vorhafen gefahren, Segel hochgezogen und haben eine Ahnung davon bekommen, wie es sich anfühlt sie zu segeln. Ich fange an mich zu entspannen. Wir werden viel Zeit haben, um zu üben. Der Wetterbericht für die nächsten Tage meint es weiterhin nicht gut mit uns. Wind aus Süd-West, viel Wind und Welle. Wir bleiben hier in Lorient, freuen uns über unsere neue Lili und wachsen mit ihr langsam zusammen. Rückblickend lässt sich folgendes sagen: Die anfängliche Sprachlosigkeit der Werft war mit dem Moment zu Ende als unser Schiff in der Bauphase war. Ab dann gab es eine rege Kommunikation. Volle Konzentration auf die wichtigen Dinge. Wir haben gelernt, es wird dann kommuniziert wenn es notwendig ist und nicht wenn man nicht dran ist. Die Werft, JP und alle Mitarbeiter haben alles dafür getan, dass wir uns wohl fühlen mit der neuen Lili. Die damals etwas waghalsige Entscheidung hat sich als ein Glücksgriff herausgestellt. Würden wir heute bestellen, müssten wir 4 Jahre warten. Wir sind sehr zufrieden mit Allem.



 

Montag, 24. Oktober 2022

24.10.2022 Die ersten Tage an Bord



Hier in Lorient/La Base ist das Seglerleben sehr abwechslungsreich. Neben den Promi-Profiseglern und den spektakulären Segelbooten stehen immer wieder Menschen vor unserem Boot, die gerne mal schauen möchten, wie es bei uns aussieht. Die JPK 39FC ist noch selten live zu sehen und findet großes Interesse. Wir freuen uns dann immer mal wieder über Besuch. Wir fühlen uns hier sehr wohl an Bord. Das Boot erfüllt in Sachen „Leben an Bord“ alle unsere Erwartungen. Britta richtet die Küche ein und organisiert die Stauräume. Wir haben viel Platz und müssen uns trotzdem völlig neu einrichten. Für mich steht die Beschäftigung mit der für uns neuen Technik im Vordergrund. Darüberhinaus brauchen wir viele Dinge des täglichen Lebens, die allesamt seefest eingebaut bzw. eingestaut werden müssen.  Ein neues Boot ist zwar segelfertig aber es gibt weder Kleiderhaken noch eine Klobürste. Hinzu kommt, dass in Frankreich Wasserknappheit herrscht. Das bedeutet, dass es im Hafen kein Wasser am Steg gibt. Unser Wasser müssen wir in Kanistern aus der Hafendusche holen. Diesel gibt es auch kaum. Das Tanken in Kanistern ist verboten! Wir schleichen uns nachts zu einer Tankstelle die noch Diesel verkauft und füllen schnell mal einen Kanister. Bevor wir lossegeln können, brauchen wir noch 200 Liter Wasser und 60 Liter Diesel. Da werden wir noch öfters auf Tour gehen müssen….

Aber wir haben auch noch keine Eile. Die Segel sind noch nicht da und auch die Ankerkette fehlt noch. Und auch das Wetter schließt Segelreisen nach Süden zurzeit aus.